Volle Hallen, tolle Stimmung bei Besuchern und Ausstellern, aufsehenerregende Innovationen – das sind die Eindrücke, die wir von der neuen, internationalen Küchenmesse LivingKitchen in Köln mitbringen dürfen! Bei all den interessanten spezifischen Neuheiten, die wir hier vorstellen, lohnt es sich aber auch, einmal einen Blick auf das Gesamtbild zu werfen, das die junge, frische Ausstellung zeichnet.
Neue Trends und spannende Entwicklungen aller Orten. Die Küchenbranche ist im Umbruch – so wie das Wohnen selbst. Vorbei sind die Zeiten, als die L- oder U-förmige Küche entlang der Begrenzungen eines geschlossenen Raums in ihrer einzigen Funktion als Ort der Nahrungszubereitung verharrte. Mit der Öffnung der Raumarchitektur einher gingen in den letzten Jahren auch zum neuen Lebensgefühl passende Küchenkonzepte. Esstheken, Kücheninseln, Mittelpunkte. All das ist längst nichts Neues mehr. Doch bei dem Blick auf die allerneusten Entwicklungen muss man entschieden feststellen, dass der Gedanke von der Verschmelzung von Wohnbereich und Küche noch wesentlich weiter vorangetrieben wurde. In vielen der vorgestellten Koch-Wohn-Landschaften gibt die Küche ganz klar den Ton an, lässt sich nicht mehr in ihre Schranken weisen. Und der Wohnbereich wird beinahe zum schmückenden Beiwerk herabgestuft. Die Evolution der Koch- und Esskultur nimmt Abstand vom Gedanken, dass Kochen (Haus-)Arbeit ist. Vielmehr sieht der moderne Mensch darin mindestens ein Hobby, mehr noch aber die Möglichkeit zur Verwirklichung eines Lebensgefühls. Kochen und Essen als Lifestyle. Genuss, Geselligkeit, Familie, Kommunikation, Gesundheit und Ökologie sind einige der wichtigsten Werte in unserer Gesellschaft, denen unser Lebensmittelpunkt Wohnung Rechnung tragen muss. Essen, sitzen, entspannen, Musik hören, schmökern, vielleicht sogar tanzen, E-Mails verschicken… all das gehört für viele zum kochen längst dazu!
Den Spagat zwischen solchen Aktivitäten und Lebensarten muss eine moderne Küche schaffen und Grenzen nicht nur überwinden, sondern bestenfalls ganz verschwinden lassen. Auf der LivingKitchen kann man einige Modelle bestaunen, die dies erfolgreich und eindrucksvoll geschafft haben.
Ein weiteres wichtiges Thema: Individualität. Nicht nur im Design der Küche, sondern vor allem in ihren Funktionen und in der Ergonomie sollte sich der Besitzer wiederspiegeln. Von Küchenherstellern wird Flexibilität und Spezialisierung gefordert. Individuelle Rastermaße, Modul- oder Elementküchen, anpassungsfähige Höhenstufen, Tiefenmaße und Stauräume sind das A und O für einen angenehmen Workflow in der Küche. Immer variabler werden auch Frontendesigns, Materialien, Griffe, Arbeitsplatten, Beleuchtungssysteme und dekoratives Zubehör. Es sind Kleinigkeiten in der Küche, die das Gesamtbild ausmachen und den persönlichen Stil des Besitzers unterstreichen. Küchen machen – wenn man so will – Leute!
Eine der auffälligsten Trendverschiebungen, die wir auf der LivingKitchen beobachten konnten, ist der sich langsam ankündigende Siegeszug der Wohnlichkeit und Authentizität gegen den lange tonangebenden, schlichten und kühlen Minimalismus.
Die Formensprache des gesamten Interior-Designs und somit auch der Küche bleibt aufgeräumt, geometrisch und pur, wird jedoch bereits an vielen Stellen aufgebrochen.
Hier eine Front aus organisch-rohem Material, da eine charmante Vintage-Küche mit beabsichtigten Gebrauchsspuren und auch im Gerätebereich sind Oldshool-Formen auf dem Vormarsch.
Die Do-it-Yourself Idee übt einen eigenen Reiz auf die Küche als Lebensraum aus. Aber selbstverständlich geben Hochglanzküchen und die kubistisch-minimalistische Küchenarchitektur nicht einfach so das Zepter aus der Hand. Und so dominieren auch auf der LivingKitchen immer noch an Profiküchen orientierte, grifflose High-Tech Modelle in horizontaler Ausrichtung, definiert durch schlichte Geradlinigkeit, Transparenz und Gleichmäßigkeit. Und die sprechen nun wirklich für sich selbst…







